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"In Gedanken"  
 

Der folgende Artikel entstand in Zuge meiner persönlichen Erfahrungen mit dem Thema Freiwillige Feuerwehr, allgemeine Gespräche über Wirtschaftlichkeit und Steuereinsparmöglichkeiten. Immer wieder werde ich auf die Problematik aufmerksam gemacht, was die eigentliche Bedeutung der Freiwilligen Feuerwehr ist und wieso um alles in der Welt diese Einrichtung von vielen Menschen einfach nicht als das gesehen werden, das sie eigentlich ist. Nämlich gesellschaftlich wichtig, ich erwäge zu sagen, unerlässlich. Budgetzuteilungen im Bereich Freiwillige Feuerwehr sind erfahrungsgemäß nicht sehr üppig, zumal zu bedenken ist, das man die dort benötigte Ausrüstung nicht im Supermarkt kaufen kann, und bestimmte wichtige Eigenschaften haben muss (z.B. Feuerfestigkeit !)
Um so unverständlicher ist mir immer wieder das Argument zugetragen worden, „die Feuerwehr muss zwar immer da sein, aber für die wenigen Einsätze wären wohl die Steuergelder, durch die diese Einrichtung getragen wird, woanders besser, einsetzbar.“ Dies soll nun die Problematik darstellen, die ich im Folgenden ausführen werde.
(ich entschuldige mich für die Ausführlichkeit und auch für eventuelle Gedankengänge, die dem Niveau der 4-Buchstaben-Zeitung entwachsen sind)

Ich denke darüber nach, wie „sie“ gesehen werden, was „sie“ eigentlich tun und vor allem warum „sie“ es tun. Sich dem Zwang hingeben, zu jeder Tag- und Nachtzeit auf dem Sprung zu sein, bei jedem Alarm an das Schlimmste zu denken, die Familie in Sicherheit wähnen, sich selbst in höchste Gefahr zu begeben und zu hoffen das man
1. wieder heil raus kommt und
2. nie in die Situation des anderen gerät.
All dies freiwillig, ohne Bezahlung, stattdessen Spott, belächelt werden von denen die der Meinung sind, ohne Geld läuft gar nichts oder warum den Allerwertesten aufreißen, für wen, um anderen zu helfen…immer mit dem Gedanken im Hinterkopf „mir hilft schließlich auch niemand“.

Ist es nicht so, dass „sie“ gesehen werden als Freiwillige, die 2-3 mal im Jahr ausrücken um eine Katze vom Baum zu holen oder Straßen zu reinigen ? Mir scheint da sehr viel Erklärungsbedarf von Nöten zu sein. Denn regelmäßig werde ich zornig wenn mal wieder ein einfaches Beispiel angeführt werden soll, für was unnötig Steuergelder verschwendet werden. Nehmen wir also die Feuerwehr. Sie muss immer da sein, zur Verfügung stehen, 365 Tage im Jahr 24 Stunden am Tag, falls mal was passiert, aber das geschieht ja nicht so oft. Ist es also sinnvoll eine Feuerwache mit Geldern zu versorgen, damit mal wieder ein neues Löschfahrzeug angeschafft werden kann, neue Stiefel, neue Jacken und Helme… Für die 2-3 Einsätze im Jahr ?
Diese Beispiele und auch die Aussagen mögen in manchen Augen berechtigt scheinen, doch sind es meist die Augen, die nicht sehen, nicht hinter die Kulissen schauen, keine Ahnung haben. Die nur noch nie gesehen haben, wie sie ausgerückt sind, um wie viel Uhr nachts sie ausgerückt sind. Nein es sind die Augen, die nicht sehen wollen. Denn wer will sich schon Gedanken darüber machen müssen, was die Belegschaft der Freiwilligen Feuerwehr gerade sieht, zu welchem neuen ungewissen Einsatz sie fährt. „Sie“ tun dies freiwillig, keine Bezahlung, aber eine sehr hohe Disziplin wird gefordert. Nicht jeder kann diese aufbringen, viele werden die Feuerwehr verlassen, weil sie dem Stress nicht gewachsen sind. Weil es eben nicht so leicht ist wenn man zu einem Verkehrsunfall kommt und Tote bergen muss, weil es eben nicht alltäglich ist, in brennende Häuser zu gehen, wo andere die Flucht ergreifen, um dort vielleicht Leben zu retten oder aber Gewissheit bekommen, das ein Leben nicht mehr gerettet werden konnte, oder einfach um das letzte, was einem Menschen Geborgenheit gab, die eigenen 4 Wänden, vor dem endgültigen Ruin zu retten.
Und dass dies nicht nur 2-3 mal im Jahr geschieht, kann man auch nur bemerken wenn man die Augen öffnet und hinsieht oder wenn man zufällig gegenüber der Feuerwache wohnt. Und selbst dann fehlt die Disziplin der meisten, Dinge zu deuten, richtig zu deuten. So kann es durchaus mal sein, dass sich die Feuerwehrmänner und –Frauen treffen, ohne zu Einsätzen zu fahren. Zum Beispiel, um brenzliche Situationen zu üben, denn das Wissen darüber, wie in Stresssituationen zu handeln ist, ist leider nicht in einer Tüte Bonbons erhältlich, es bedeutet hartes Training, lernen, Kraft, technisches Verständnis und vor allem Zusammenarbeit. Die Feuerwehrleute müssen viele Lehrgänge besuchen, Prüfungen ablegen, Erfahrungen sammeln. Das dies alles weitere tausende Stunden Arbeit und Schweiß der Feuerwehrleute sind, wird meist großzügig übersehen…wenn man die Augen geschlossen hat, vor dem was wirklich ist.

Apropos was wirklich ist. In Zeiten, in denen die unentgeltliche Hilfe von Menschen ein Luxusgut ist, wo Vereine um Mitglieder kämpfen müssen, um überhaupt noch bestehen zu können, in Zeiten wo jeder Handschlag teuer bezahlt wird, konnte sich die Feuerwehr eines bewahren. Freiwillige Zusammenarbeit bindet auch außerhalb des „Jobs“, gemeinsame Unternehmungen tragen auch hier zu einem Gemeinschaftsgefühl bei, welches man in der heutigen Welt, wo jeder sich selbst am nächsten ist, nur noch selten findet.
Da wo Verständnis anderen Attributen wie Erfolg, Gewinnmaximierung und Kostenminimierung weichen musste, da sollte ein neuer Anfang, eine neue alte Denkweise neu entdeckt werden. Steuergelder werden definitiv verschwendet, nur wo, dass muss erst noch definiert werden. Man sollte sich vorher die Perspektiven anschauen und betrachten, was die Alternativen sind. Was sind die Alternativen ? Sparen an Hilfseinrichtungen, um einen weiteren Schritt in die falsche Richtung zu gehen, politisch korrekt oder nicht am falschen Ende sparen? Oder die Eventualitäten abzudecken, das auch du einmal die Hilfe der Feuerwehr benötigen könntest, die eben statistisch gesehen mehr als 2-3 mal im Jahr ausrückt.
Aber da dies alles auch bedeutet, darüber nachzudenken, was „Freiwillige Feuerwehr“, „unentgeltliche Leistungen“ und „Steuerverschwendung“ eigentlich bedeutet und evtl. auch heißt, seinen Standpunkt zu revidieren, werden die meisten die Augen schließen …. Solange bis „sie“ vor der Tür deines brennenden Hauses stehen oder dich aus deinem Autowrack herausschneiden müssen.

Schade, dass solche Einsichten immer erst im Ernstfall kommen.

Jessica Steinke August 2004